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Scholdt, Günter: Literarische Musterung. Warum wir Kohlhaas, Don Quijote und andere Klassiker neu lesen müssen

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In den Schulen, auf den Theaterbühnen, an den Universität findet eine unvoreingenommene Bearbeitung der zeitlosen Klassiker nicht mehr statt: Die politische Erziehungsabsicht geht eindeutig vor! Der Mainstream inszeniert oder interpretiert die großen Figuren unserer Literatur üblicherweise gegen »rechts« – eine anmaßende »zivilgesellschaftliche« Verkennung ihres aktuellen Freiheits- und Widerstandspotentials. Denn viele Klassiker der Weltliteratur spiegeln modellhaft auch heutige politische Verwerfungen und Konflikte. Exemplarisch: Orwells 1984, Sophokles’ Antigone, Kleists Michael Kohlhaas, Frischs Biedermann und die Brandstifter, Kafkas Prozeß oder Ionescos Nashörner.

Günter Scholdt, ehemals Germanistikprofessor in Saarbrücken, las gut dreißig Texte gegen den Mainstream neu. Von Äsop über Brecht und Zuckmayer bis hin zu García Márquez: Der Leser wird viele unverhofft aktuelle Aspekte an Werken und Autoren erkennen, die wirklich jeder kennt – oder zumindest zu kennen glaubte! Sind nicht viele Protagonisten der Werke, die auf den Bühnen als deutlicher Appell »gegen Rechts« inszeniert werden, heute längst selbst rechte Typen?

Mut, klarer Blick auf die Verhältnisse und ein Bekenntnis zum eigenständigen Denken - das ist nicht mehr dort angesiedelt, wo der staatliche geförderte »Aufstand der Anständigen« zur politischen Keule gegen den »Aufstand der Widerständigen« geworden ist.

368 Seiten


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